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ZwergerlMagazin Juli/August 2020

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s11-25_red_juli20_Layout-zm 10.07.2020 10:47 Seite 23 Kinder brauchen Bücher Vor fast 40 Jahren schon hat Bruno Bettelheim, berühmter Psychoanalytiker und Kinderpsychologe, den Bestseller „Kinder brauchen Bücher“ veröffentlicht. An seiner Feststellung hat sich bis heute nichts geändert. Natürlich brauchen Kinder in unserer modernen Welt von klein auf Bücher, und das nicht nur, um später in der Schule und danach im Berufsleben gut mithalten zu können. „Mama, Buch“, sagt der eineinhalbjährige Max zu seiner Mutter. Doch die hat gerade keine Zeit vorzulesen, weil sie im Home Office unter Stress steht, und schaltet ihm stattdessen einen Kleinkinderfilm auf kindertube.de ein. Auch für das Lesebedürnis des Dreijährigen reicht ihr Zeitbudget nicht, weil die Küche noch aufgeräumt werden muss, aber für seine Altersgruppe gibt es ja bereits etliche Kinderserien auf Netflix. Und mit vier, fünf Jahren können die meisten Kleinen schon selbstständig mit der TV-Fernbedienung umgehen oder sich mit Mamas Smartphone beschäftigen. Die permanente und überall verfügbare Möglichkeit, elektronische Medien zu nutzen, wird von zahllosen Menschen als segensreich empfunden, doch für unsere Kinder ist das ein höchst schädlicher Zugang zur Welt. Kinderärzte stellen fest, dass intensive Mediennutzung bei Kindern verstärkt motorische Unruhe hervorruft, ihre Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt und Schlafstörungen provoziert. Außerdem gilt die starke Zunahme von Kurzsichtigkeit in der heutigen Kindergeneration gleichfalls als eine Folge der Bildschirmmedien im Kleinkindalter. Die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) empfiehlt deswegen, mit Kindern ab etwa sechs Monaten regelmäßig Bilderbücher anzuschauen und vorzulesen, aber in den ersten drei Lebensjahren auf Bildschirmmedien ganz zu verzichten. Hörmedien gelten bis maximal 30 Minuten pro Tag als unbedenklich, von drei bis sechs Jahren dürfen es auch 45 Minuten sein. In diesem Alter sollten alle Bildschirmmedien zusammen höchstens 30 Minuten am Tag beanspruchen. Bücher sind ein wirklich wichtiges, unverzichtbares Mittel, um Kindern den Zugang zur Welt zu vermitteln. Das zeigt die „Stavanger Erklärung“ von mehr als 130 Leseforschern aus ganz Europa, die 2019 veröffentlicht wurde. Einerseits kann man Sachinformationen besser verarbeiten, die man auf Papier liest, weil man beim digitalen Lesen oberflächlicher wahrnimmt. Andererseits spielt diese Überlegenheit bei geübten Lesern keine Rolle, sofern es nur um Unterhaltungsliteratur geht. Doch das gilt nicht für die weniger geübten Kinder. Sie erinnern sich leichter an den Inhalt, wenn sie sich daran erinnern, wo im Buch etwas stand. Außerdem hilft das Gewicht des Buches beim Halten in den Händen, den eigenen Lesefortschritt zu spüren: Wie viele gelesene Seiten halte ich in der linken Hand, wie viele noch ungelesene in der rechten? Und schließlich wirkt die Gestalt des Buches ähnlich wie die eines Kuscheltieres, denn Größe, Gewicht, Schriften und die farbige Umschlaggestaltung sprechen emotional mehr oder weniger an. Der Umgang mit Büchern von klein auf ist sehr nützlich, denn auch in der Zukunft werden wir unsere Bildung nicht ohne Lesen bewerkstelligen können. Aber was hilft dieser Gedanke unserer gestressten Mama, die ihren Kleinkindern aus Zeitnot Bildschirmmedien anbietet? Vielleicht führt sie sie zur Erkenntnis, dass es unverzichtbar ist, Kinder mit Büchern in Kontakt zu bringen. Wie man das zeitlich organisiert, wird in jeder Familie anders aussehen. Beginnen kann man beim Baby mit Plastikbüchern, die einzelne Gegenstände oder Tiere auf ihren Seiten zeigen. Liederbücher mit bunten Bildern lassen die Kleinen ein Lied mit Hilfe des zugehörigen Bildes wiedererkennen. Wimmelbücher geben Gelegenheit zum Entdecken von kleinsten Details und zum Sprechen darüber. Reimbücher vermitteln Freude an der Sprache, und Bilderbücher mit Text lassen Kinder ganze Geschichten wiedererkennen und üben das Erzählen. Manch ein Kind hat so viel Spaß an Büchern, dass es sogar schon vor Schuleintritt lesen kann, obwohl ihm das niemand systematisch beigebracht hat. Lesen ist einfach der Schlüssel zur Welt – und Bücher sind das Schlüsselloch, das Kindern von Anfang an gezeigt werden sollte. 23

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