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Zwergerl Magazin März/April 2018

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s14-25_red_mar18_Layout-zm 24.02.2018 12:29 Seite 14 Babylonische Sprachenvielfalt oder Vermittler zwischen den Kulturen? Multilinguale Familien im ZwergerlLand

s14-25_red_mar18_Layout-zm 24.02.2018 12:29 Seite 15 Es galt lange Zeit als normal, dass Menschen nur eine Sprache sprechen. Zumindest in Deutschland war und ist es üblich, Kindern Überforderung zu attestieren, wenn sie von klein auf mit mehr als nur einer Sprache konfrontiert werden. Warum eigentlich? In den meisten Teilen der Welt war und ist Mehrsprachigkeit bis heute völlig normal. Kinder wachsen von Haus aus bilingual auf, oft sogar multilingual. Mehrsprachigkeit ist Normalität Offene Grenzen, Urlaubs-, Arbeits- oder Studienaufenthalte im Ausland sowie die Anwesenheit von Migranten und Flüchtlingen lassen die Zahl binationaler Partnerschaften auch bei uns immer weiter steigen. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Kinder in Deutschland zu, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen. Mehrsprachigkeit ist alltägliche Normalität. In vielen Familien wird Bosnisch, Arabisch, Türkisch, Polnisch oder eine andere Migrationssprache gesprochen. Die Kinder versuchen ihre ersten Worte in diesen Sprachen auszusprechen, lernen in diesen Sprachen zu fragen, Gefühle ausdrücken, zu streiten, zu singen, zu erzählen und sich zu unterhalten. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund entwickeln bei entsprechender Erziehung Potenziale in zwei oder mehr Sprachen. Auch wenn Kindern die Mehrsprachigkeit gleichsam in die Wiege gelegt wird, sollten Eltern bei der Erziehung einige Dinge beachten. Am einfachsten umzusetzen ist dabei die Strategie „Eine Person – Eine Sprache“. (OPOS one Person – one Language; Anm. der Red.) Jedes Elternteil sollte mit dem Kind, wenn möglich, in seiner jeweiligen Muttersprache sprechen. Zudem sollte innerhalb der Familie die Nicht-Landessprache als “Familiensprache” gewählt werden, um zu gewährleisten, dass das Kind mit beiden Sprachen gleich häufig in Berührung kommt. Doch sollte man dabei die rein quantitative Frage des sprachlichen „Inputs“ nicht überbewerten. Denn Sprechenlernen hat auch eine affektive Seite: Wenn Kinder merken, dass sie mit ihrer Zweitsprache nicht gut ankommen – etwa im Kindergarten oder im Freundeskreis – lehnen sie diese Sprache ab. Nutzen und das Risiko von Mehrsprachigkeit Gleichwohl betrachtet man in Deutschland den kindlichen Mehrsprachenerwerb oft noch mit Skepsis. So wird häufig immer noch angenommen, dass eine mehrsprachige Erziehung die Kinder überfordern und ihre Entwicklung beeinträchtigen könnte. Denn wer mit zwei Sprachen aufwächst, so ein lange gehegtes Vorurteil, sei in keiner von beiden richtig zu Hause. Inzwischen weiß die Wissenschaft: Mehrsprachigkeit ist ein Segen. Befürworter einer mehrsprachigen Erziehung vertreten die Meinung, dass Mehrsprachigkeit anfänglich tatsächlich zu schlechteren Leistungen in beiden Sprachen führe, dass dieser Nachteil aber nach kurzer Zeit verschwinde. Ein weiterer Vorteil ist jedem bewusst, der im Erwachsenenalter schon einmal versucht hat, eine Fremdsprache zu lernen: Zum einen fällt das Lernen einer Fremdsprache in der Regel sehr schwer, zum anderen ist es nahezu unmöglich eine andere Sprache akzentfrei zu sprechen. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen haben zudem auch gezeigt, dass Kinder in der Regel keine Probleme damit haben, zwei oder mehrere Sprachen gleichzeitig zu erlernen. Ganz im Gegenteil: Die menschliche Sprachfähigkeit sei eine Anlage zur Mehrsprachigkeit, argumentieren Wissenschaftler. neue Wortschöpfung kreiert. Anlass zur Sorge ist das alles nicht: Die Fähigkeit, die beiden Sprachen klar voneinander zu trennen, wächst mit dem Kind. Forschungsergebnisse untermauern dies und belegen, dass bereits bilingual aufwachsende Zweijährige über zwei Sprachsysteme zu verfügen. Sie belegen zudem, dass die Kinder ohne Probleme von der einen in die andere Sprache wechseln und beim Sprechen nicht mehr Fehler machen als Kinder, die monolingual aufwachsen. Wie es scheint, profitieren kindliche Gehirne sehr stark davon, wenn sie mit mehr als einer Sprache aufwachsen. Die Vorteile beziehen sich auch auf Gebiete abseits der Sprachbeherrschung. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass es mehrsprachigen Kinder leichter fällt, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Konkret wurde vor kleinen Kindern eine Reihe verschieden großer Spielzeuge platziert. Gegenüber des Kindes saß ein Erwachsener, dem die Sicht auf das kleinste Objekt versperrt war. In der Folge bat der Erwachsene die Kinder, das kleinste Objekt zu bewegen. Einsprachige Kinder bewegten meist das tatsächlich kleinste Objekt, das allerdings nur sie sehen konnten. Mehrsprachige Kinder bewegten hingegen öfter das kleinste für den Erwachsenen sichtbare Objekt. Mehrsprachige Kinder versetzten sich somit in die Schuhe ihres Gegenübers und integrierten die Position ihres Gegenübers in das eigene Verhalten. Kreativer Sprachenmix Viele Eltern fragen sich: Gibt es eine stärkere und eine schwächere Sprache? Diese Frage lässt sich nach Ansicht von Sprachwissenschaftlern Kinder können Sprachen unterscheiden Kinder entwickeln das Sprechen durch Vorbilder. Also dadurch, dass man viel mit ihnen spricht. Am besten sind die Fortschritte in Familien, in denen das gesprochene Wort einen hohen Stellenwert hat, wie eine große Studie der Uni Freiburg zeigt. Fehler und Lautverdrehungen gehören wie bei allen Kindern zur normalen Entwicklung. Statt die Kleinen dafür zu kritisieren, sollten Eltern den Satz richtig wiederholen, damit das Kind hört, wie es richtig heißt. Das gilt auch für ein Kind, das zweisprachig aufwächst. Etwa wenn es im Moment deutsch redet, aber mitten im Satz ein englisches Wort braucht oder aus einem türkischen und einem deutschen Wort eine 15

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