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s23-30_b&b_mai20_B&B 01.05.2020 09:22 Seite 28 Wenn aus Paaren Eltern werden Als frisch verliebtes Paar steht das Gefühl der Zweisamkeit und Verbundenheit im Vordergrund. Beide Partner wollen intensiv am Leben des anderen teilhaben, interessieren sich für dessen Hobbies, Interessen und Vorlieben. Beide Partner gehen ihrer jeweiligen Arbeit nach, sind selbstbestimmt und weitestgehend frei in ihren gemeinsamen und persönlichen Entscheidungen. Irgendwann werden dann die Weichen für den nächsten Schritt gestellt. Es kommt die gemeinsame Wohnung, wo anfallende Aufgaben pi mal Daumen oder vielleicht auch schon nach einer festen Aufteilung verteilt werden. Vielleicht folgt eine Heirat und dann die Entscheidung, eine Familie zu gründen. Und auf einmal werden aus Paaren Eltern. Ein Ereignis, das viele Veränderungen mit sich bringt. Denn nun steht nicht mehr nur der Partner im Zentrum des Lebens und der Liebe sondern ein kleines Menschlein, das gerade am Anfang unglaublich viel Fürsorge, Zeit und Zuwendung verlangt. Mit diesem neuen Familienmitglied kann sich auch die Paarbeziehung verändern, denn nun muss Vereinbarkeit ganz neu definiert werden. Die einen fangen an, ein „klassisches“ Rollenmodell zu leben, bei dem die Mutter zu Hausen den Laden schmeißt und sich ganz bewusst um die Kinder kümmert, während der Vater das Geld verdient. Die anderen sind Verfechter der 50/50 Regelung und teilen sich Fürsorge- und Erwerbstätigkeit ganz partnerschaftlich auf. Und wieder andere leben das „Dazuverdienermodell“, bei dem der eine Partner – meist der Mann Vollzeit arbeitet – und die Frau Teilzeit. Oder, oder, oder. Gibt es ein richtig oder ein falsch? Ein besser oder schlechter? Ich denke nein. Ich denke, dass es in Sachen Vereinbarkeit nicht den einen Weg für alle Familien gibt. Doch ich denke, dass es den einen Weg für jede einzelne Familie gibt und den gilt es als Paar gemeinsam zu finden abhängig von den individuellen Rahmenbedingungen. Idealerweise sollten die Entscheidungen für diesen Weg allerdings nicht erst getroffen werden, wenn das Kind auf der Welt ist. Meist stehen dann ganz andere Themen an, die sich mehr um das Versorgen der Bedürfnisse des Kindes drehen und weniger um Antworten auf die Frage: Wie wollen wir eigentlich eine gleichberechtige Partnerschaft leben? Doch gerade diese Frage ist finde ich sehr wichtig, um nicht irgendwann an den Punkt zu gelangen, wo der eine oder der andere Partner mit der neuen Familiensituation völlig unzufrieden ist, weil er oder sie etwas ganz anderes im Sinn hatte. Vor diesem Hintergrund sollte schon bei Kinderwunsch nicht nur geklärt werden, welche Kinderwagenmarke die Beste ist oder wie die Wandfarbe im künftigen Kinderzimmer sein soll. Es sollte in den Gesprächen und Überlegungen auch darum gehen zu klären: Wer wann in Elternzeit geht, wie lange und warum? Wie die Berufstätigkeit beider Partner nach der Elternzeit genau aussehen soll? Wer welche beruflichen Ambitionen hat und wie und wann diese auch ganz konkret realisiert werden können? Welche Werte dem Paar eigentlich wichtig sind? Und welche finanziellen Vorkehrungen (z.B. Ansparen einer bestimmten Summe x für die Elternzeit) notwendig sind, um diese Vorstellungen zu ermöglichen? Bei all diesen Fragestellungen kann es hilfreich sein auch die eigenen familiären Prägungen und die des Partners zu berücksichtigen. Denn gerade in Extremsituationen – und Eltern werden kann durchaus eine Extremsituation sein – ruft das Gehirn automatisch Verhaltensmuster ab, die es kennt. Daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Mütter automatisch mehr in die Versorgerrolle rutschen, sich um Kind, Haushalt & Co. kümmern, weil sie es durch kindliche Erfahrungen einfach kennen. Ebenso sind die Väter möglicherweise so geprägt, auto- 28 Bauch&Baby

s23-30_b&b_mai20_B&B 01.05.2020 09:22 Seite 29 matisch die Ernährerrolle zu übernehmen und – wie Studien zeigen- nach der Geburt des Kindes oftmals sogar mehr arbeiten als vorher. Eine solche Entwicklung passiert in der Regel auch nicht aus „böser Absicht“, sondern ist vielmehr eine Folge der Prägungen und Bilder aus der eigenen Kindheit, die ganz tief in uns verankert sind, ohne dass wir sie in Frage stellen. Solange wir noch keine eigene Familie haben, werden diese Bilder meist gar nicht abgerufen, warum auch? Haben sie doch aktuell gar keinen Bedeutung in unserem Leben. Doch wenn wir dann selber in die Situation kommen und eine eigene Familie haben ändert sich das schlagartig und die unterbewussten Familienbilder kommen hoch und werden gelebt. Ich erlebe es in meiner Coaching- und Beratungsarbeit zum Beispiel häufig, dass sich die Rollenbilder von Paaren, die bislang eine gleichberechtigte Partnerschaft gelebt haben oftmals stark verändern, sobald sie Eltern werden. Meist ist das darin begründet, dass beide Elternteile ganz unbewusst in gewohnte Muster und Rollenbilder schlüpfen, die sie aus der eigenen Kindheit kennen. Sowohl Paare aus der Generation X als auch Y wurden selber noch von Eltern groß gezogen, in denen das „klassische Rollenbild“ die Norm war. Viele von uns sind daher stark geprägt von dem Familien- und Rollenbild unserer Großeltern und Eltern. Und das sah nun Mal so aus, dass sich die Mutter vornehmlich um die Kinder und den Haushalt gekümmert hat, während der Vater viel gearbeitet hat und kaum zu Hause war. Mittlerweile hat sich dieses gesellschaftliche Familienbild jedoch verändert bzw. ist gerade dabei, sich stark zu verändern. Das heißt, da prallen Welten aufeinander und diese Unterschiede von alten und neuen Rollenbildern verunsichern und machen es (werdenden) Eltern so schwer, sich zurecht zu finden und es sich selber und der Gesellschaft Recht zu machen. Unsicherheit, Selbstzweifel, ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl nicht zu genügen können die Folgen davon sein. Um für als Paar mehr Klarheit bekommt, wie die Rollenbilder in der gemeinsamen Familie aussehnen sollen, sind Gespräche und Austausch wichtig. Es hilft über die Erwartungen an die Rolle des Vater bzw. der Mutter zu sprechen. Oder darüber welche Wertigkeit Haushalt, Erwerbs- und Fürsorgearbeit haben, um ein gemeinsames Verständnis Rund um die Geburt www.efbs-muc.de dafür zu entwickeln, wie diese drei Bereiche gemeinsam gelebt und aufgeteilt werden sollen. Sich der eigenen Prägungen bewusst zu werden, kann dabei hilfreich sein und dabei helfen Fragen wie: Wie sahen die Rollenbilder in den Herkunftsfamilien aus? Wer hatte welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten? Was war daran gut und was nicht? Wie sollen die Rollenbilder in der eignen Familie künftig aussehen? Sich mit solchen Fragen auseinander zu setzen ist zwar erstmal anstrengend, doch dafür sehr hilfund erkenntnisreich. Es unterstützt dabei, ganz bewusst Entscheidungen für das eigene künftige Familienleben zu zum Thema treffen und die eigene Vereinbarkeit aus Familie und Beruf ganz individuell zu gestalten. Falls Interesse besteht, tiefer in dieses Thema einzusteigen kann mein Online-Kurs „Work & Family“ hilfreich sein. Darin habe ich an die 40 Fragen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammen gestellt habe, um Klarheit über ein individuelles Vereinbarkeitsmodell zu bekommen, dass zu den eigenen familiären und beruflichen Bedürfnissen passt. Denn Vereinbarkeit ist ein Gemeinschaftsprojekt. Kein Gegeneinander, oder Nebeneinander sondern ein Miteinander. Die studierte Betriebswirtin und zweifache Mutter Stephanie Poggemöller hat in unterschiedlichen Arbeitsmodellen über zehn Jahre in verschiedenen Positionen im Großkonzern gearbeitet bevor sie Work & Family (www.workandfamily.de) gegründet hat. Seitdem coacht und berät sie berufstätige Eltern und Unternehmen bei Fragen zu: Vereinbarkeit, Wiedereinstieg nach der Elternzeit, beruflicher Neuorientierung und Selbstfürsorge. Auch auf ihrem Blog geht es um diese Themen und die Frage, wie sich Job und Familie miteinander in Einklang bringen lassen? Sie glaubt nicht an den einen Weg für alle Familien, doch an den einen Weg für jede einzelne Familie und unterstützt Eltern dabei, das eigene Berufsund Familienmodell individuell zu gestalten. Fernengel in Rosenheim Ecke Gillitzer / Herzog-Otto-Str. im Hinterhof. Kinderwagen + Autositze + Fahrradanhänger + Werkstatt www.fernengel.de Bauch&Baby 29

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